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Ein Gespräch vom 29. April 2021

Markus Beck –
Fair & Organic Fashion trifft DIY

Als Pionier im Bereich nachhaltige Mode und Betreiber zweier Stores sowie eines Online Shops mit über 5.000 Artikeln konnte Greenality in den letzten zwölf Jahren zahlreiche Erfahrungen off- und online sammeln. Markus Beck, der Gründer und Geschäftsführer von Greenality war zunächst selbst auf der Suche nach fair produzierter Kleidung – bis er sein eigenes Label gründete.

Was hat Dich damals dazu bewogen, Dich mit nachhaltiger Mode zu beschäftigen?

Ich bin selbst auf der Suche nach fairer und nachhaltiger Mode gewesen, habe dabei aber nichts gefunden, das mir wirklich gefallen hat. Ich bin ein Fan von DIY. So habe ich beschlossen, die Sachen selbst in die Hand zu nehmen. Dabei war es mir wichtig, faire und biologische Kleidung zu produzieren, die sich bewusst gegen Klischees wie „Öko-Hippie-Klamotten im Goa-Style" stellt. Greenality startete zunächst als Modelabel, unsere Eigenmarke „Greenality Basics“ gibt es auch heute noch im Online-Shop. Mit der Zeit haben wir die Grundidee weiterentwickelt und bieten als Online-Händler nun eine Plattform, die faire biologische Mode für jede:n zugänglich macht.

Wie gross ist Dein Team aktuell?

Wir sind 25 Mitarbeiter:innen an den Standorten Stuttgart und Hannover. 

Was hat sich in 12 Jahren im Bereich der nachhaltigen Mode getan?

Mich freut es sehr, wie sich der Markt verändert hat. Heutzutage bekommt man wirklich alles, von Kopf bis Fuss, ohne Einschränkungen. 2008 coole Schuhe zu finden, war praktisch unmöglich. Faire Mode muss sich nicht verstecken und kann mit dem Style der grossen Player mehr als mithalten. Besonders spannend finde ich dabei die vielen Innovationen. So gibt es immer wieder neue Färbeverfahren oder alternative Materialien wie z.B. Tencel, eine Naturfaser aus Eukalyptus, die viel weniger Wasser und Dünger als Baumwolle benötigt. Die Branche ist am Boomen und ich bin froh, ein Teil davon zu sein. 

Du bist von Anfang an zweigleisig gefahren – auf der einen Seite die klassischen Stores, auf der anderen Seite der Onlineshop. Wie kam es dazu und war es die richtige Entscheidung?

Die zweite Schiene habe ich tatsächlich erst nachträglich gelegt; den ersten Laden gibt es seit 2015 in Stuttgart, unser Store in Hannover folgte im Jahr darauf. Früher waren wir ein reines E-Commerce-Unternehmen, jetzt übertragen wir die Online-Denkweise in die Offline-Welt. Wir haben uns nachträglich für das Ladengeschäft entschieden, da wir an den stationären Handel glauben und es einfach schön ist, wenn man die Kleidung sehen, fühlen und dabei beraten werden kann. Passend zum Slow-Fashion-Mindset ist es uns sehr wichtig, nicht einfach nur zu kaufen, sondern sich mit seinen Lieblingsstücken auseinanderzusetzen. Deshalb haben wir viel Freude mit dem Offline-Handel und freuen uns, dadurch ganz direkt mit unseren Kund:innen in Kontakt zu kommen. Für mich war es die richtige Entscheidung, sich nun zweigleisig zu bewegen. 

Würdest du das allen Einzelhändlern empfehlen?

Es kommt immer auf den Background an. Ich würde nicht pauschal sagen, dass online und offline sofort miteinander kombiniert werden sollte oder man vom einen nahtlos ins andere wechseln kann. Wenn man zuerst einen stationären Laden hat und dann einen Online-Shop öffnet, ist es zunächst schwierig, dort Kunden zu gewinnen, wenn man noch keine Erfahrung hat. Der Prozess unterscheidet sich und es fallen einige Kosten an, die man zunächst nicht auf dem Schirm hatte. Online und offline kann sehr gut harmonieren, aber man sollte sich einfach den Herausforderungen bewusst sein.

Wir arbeiten aktuell gemeinsam am neuen Auftritt von Greenality und dem Relaunch des Onlineshops. Was war der Beweggrund, diese Dinge anzugehen?

Uns ist in den letzten 12 Jahren Greenality stets bewusst geworden, dass wir nie stehen bleiben dürfen und uns ständig weiterentwickeln möchten. Deswegen ist es uns wichtig, nun einen weiteren Schritt zu gehen und unsere Corporate Identity von Profis ausarbeiten zu lassen. In der Vergangenheit waren wir auch hier DIY unterwegs… wie man an der einen oder anderen Stelle vielleicht sieht :) 

"Fair und Bio verkaufen reicht uns nicht, wir finanzieren pro gekauftem Teil eine Schulstunde an unserer Partnerschule in Bangladesch."

Wie differenziert Ihr Euch mit Greenality von anderen nachhaltigen oder konventionellen Shops - und was kann Design dazu beitragen?

Typisch Greenality ist, dass wir einfach machen, anstatt nur zuzuschauen und so viel wie möglich selbst in die Hand nehmen wollen. Wir sehen uns nicht nur als Händler, sondern vielmehr als Bewegung. Deswegen ist unser Motto auch „A Lesson For Fashion“. Fair und Bio verkaufen reicht uns nicht, wir finanzieren pro gekauftem Teil eine Schulstunde an unserer Partnerschule in Bangladesch. Design spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Denn um gegen den Strom der Fast-Fashion-Industrie zu schwimmen, müssen wir uns auch hier auf Augenhöhe bewegen. Es muss deutlich werden, dass wir genau den gleichen Service bieten wie die Großen und faire Mode nicht bedeutet, dass Abstriche gemacht werden müssen. Also, dass die Lieferung nicht etwa länger dauert oder teurer ist. Das macht deutlich, dass Design nicht einfach ein Add-on ist, sondern uns ganz klar hilft, voranzukommen und unsere Botschaft nach außen in die wilde Modewelt zu tragen.

Was kann Design – im Hinblick auf Nachhaltigkeit – verändern? Welche Rolle kann es grundsätzlich hin zu einer nachhaltigeren Welt einnehmen?

Design macht Nachhaltigkeit für alle greifbar und verständlich. Viel zu oft denken wir, dass wir sowieso nichts ändern können oder dass alles unfassbar kompliziert ist. Gutes Design hilft, Menschen von Nachhaltigkeit zu überzeugen und auf wichtige Themen aufmerksam zu machen. Zu beweisen, dass faire Mode zeitgemäss ist und nicht nur mit anderen Brands mithalten kann, sondern in einigen Bereichen mehr kann. In einer nachhaltigen Welt ist es die Rolle des Designs, jede:n dabei abzuholen und die Veränderung konkret zu gestalten.

Wie versteht Ihr bei Greenality Zeitgeist und Wertigkeit? Design spielt oft auch mit Trends, was aber zu einem beschleunigten Konsumverhalten führt. Was bedeuten für euch Designtrends?

Designtrends sind spannend, inspirieren uns und haben ihre Berechtigung. Wir nehmen diese definitiv wahr, rennen ihnen aber auch nicht hinterher. Zwischen Zeitlosigkeit und Zeitgeist sollte unserer Meinung nach ein gesunder Kompromiss gefunden werden. Dabei helfen Konzepte wie beispielsweise die Capsule Wardrobe, die auf gut kombinierbare Basics setzt, aber ebenso Statement Pieces mit einbezieht und es einfach macht, den eigenen Style zu finden und nachhaltig auszuleben.

Greenality vertritt klare Werte – Was erwartest Du von einer Designagentur? Welche Aspekte sind Euch in Eurer Arbeit wichtig und welche bei Euren Partnern?

Wir finden es toll, dass papa tom als Designagentur Nachhaltigkeit nicht bloss als Buzzword auf der Firmenwebsite stehen hat, sondern diese genau wie bei uns fest in der DNA verwurzelt ist. Darüber hinaus erwarten wir von unseren Partnern, dass sie uns transparent in den gesamten Prozess mit einbeziehen, schliesslich kennen wir Händler unsere Kund:innen am besten. Aber wir brauchen und schätzen dabei genauso den Blick von außen und wollen gemeinsam das Bestmögliche erreichen. Ausserdem muss einfach die Chemie stimmen und es gibt doch nichts Besseres, als eine gemeinsame Vision zu verfolgen. 

Was sind aus Deiner Sicht und Erfahrung die besonderen Herausforderungen an digitales Design und User Interfaces?

Beim digitalen Design kommt es denke ich immer darauf an, den Kund:innen eine vertraute Umgebung zu schaffen, die intuitiv verständlich ist und ein angenehmes Online-Einkaufserlebnis verspricht. Dennoch muss man sich auch von der Konkurrenz abheben und den Status quo brechen, ohne dabei abzuheben und das Ziel aus den Augen zu verlieren.

"Das macht deutlich, dass Design nicht einfach ein Add-on ist, sondern uns ganz klar hilft, voranzukommen und unsere Botschaft nach aussen in die wilde Modewelt zu tragen."

Was bewog Dich dazu, uns zu beauftragen?

Ich habe Euch beauftragt, da Ihr freundschaftlich und auf Augenhöhe, aber dennoch sehr professionell arbeitet. Mich überzeugt euer Mut, die Dinge auch nochmal komplett auf den Kopf zu stellen und es ist einfach cool, wie Ihr absolut auf uns eingeht. Dazu haben wir beide die schwäbische Schaffer-Mentalität und sind eher praktisch als theoretisch veranlagt, das harmoniert optimal. Sympathiepunkte gibt es dazu noch dafür, dass Ihr aus Backnang kommt. Wär doch gelacht, wenn wir in der Backnanger Hood nur Satelliten ins All schießen könnten und das Opernhaus in Sydney mit den weltbesten Audioanlagen ausstatten. Warum sollten wir nicht auch in Backnang Design-Innovationen schaffen können, ganz nach unserem Motto “Paris, Mailand, Backnang”! Ein gesundes Mass an Grössenwahn hat doch noch nie geschadet... ;)

papa tom steht für interdisziplinäre Kollaboration. Für den Austausch von Erfahrungen und Know-how mit anderen. Als Studio wollen wir Menschen zusammenbringen. Und mit Menschen zusammenkommen. Dafür fordern und fördern wir das Miteinander. Mit unserem Netzwerk und mit unseren Kunden. Wir sind neugierig darauf, was andere tun. Und machen uns selbst für andere sicht- und spürbar. So ist dieses Gespräch der Anfang einer Serie an Interviews, Einblicken und Gedanken. Wir nehmen Euch mit auf unsere Reise. Wie das Ziel aussieht, wissen wir noch nicht – aber wir kennen die Richtung.

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