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Ein Gespräch vom 06. Mai 2021

Katharina Hofmann –
ein Gespräch über Identifikation und Gestaltung im öffentlichen Raum

Katharina Hofmann ist als Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin bei der Stadt Schwäbisch Hall tätig. Sie arbeitete zunächst sechs Jahre in einem Planungsbüro, bevor sie in den kommunalen Bereich wechselte.

Frau Hofmann, von was für einer Stadt träumen Sie als Stadtplanerin? 

Wir befinden uns in der vorteilhaften Lage, dass wir von den Strukturen, sei es stadtplanerisch oder architektonisch, der vorherigen Jahrzehnte profitieren können. Unser eigenes Tun stellt einen Bruchteil der Stadtgeschichte dar. Deshalb ist es wichtig, dass wir die vorhandenen Strukturen nutzen und diese mit einer gewissen Bescheidenheit auf die jetzigen Bedürfnisse und den Wissensstand anpassen. Aufgaben, denen wir uns in Folge des Klimawandels stellen müssen, sind aber nur gemeinschaftlich zu lösen. Hier liegt auch mein Wunsch: durch gemeinschaftliches Handeln nachhaltig Veränderung erwirken. 

Wie kann das Bewusstsein über die Funktionen einer Stadt bei den Bürger:innen gestärkt werden? 

Neben den verwaltungstechnischen Aufgaben haben Städte und Kommunen sich Aufgaben zu stellen, die die gesamte Gesellschaft betreffen. Dementsprechend ist es wichtig, möglichst viele Bürger:innen anzusprechen. Es zeigt sich, dass mit einer gestalterisch begleiteten, visuellen Kommunikation eine grössere Gruppe erreicht werden kann. Der Austausch macht die Arbeit nachvollziehbar und somit wird das Bewusstsein gestärkt. 

Was reizt Sie an der lokalen und kommunalen Arbeit? 

Die Aufgaben in der Stadt formuliert man gemeinsam mit Verwaltung, Gemeinderat und Bürger:innen. Somit habe ich die Möglichkeit, direkt zu wirken und etwas zu bewirken. 

Was war Ihr erstes gemeinsames Projekt mit papa tom? 

Die Haller Stadtfrüchte. Im Stadtgebiet dürfen die Früchte der städtischen Bäume kostenlos und ganz legal geerntet werden. Die Bäume sind durch Schilder und Banderolen erkennbar. Damit möglichst viele dauerhaft in den Genuss unserer Stadtfrüchte kommen, wurden von papa tom neben der Gestaltung der Aktion Hinweise zum Umgang mit den Bäumen entwickelt. Mit Postkarten von den Haller Stadtfrüchten kann man Freunde auf einen gemeinsamen Spaziergang zu den Stadtfrüchten einladen oder auch das geheime Familienrezept mit den Liebsten teilen. 

Dieses Projekt ist ja eher ein kleineres Projekt. Für Bürger:innen hat es aber sicher eine grössere Bedeutung, da sie durch diese Formate ja tatsächlich partizipieren können. Wie erleben Sie das in Ihrer Stadt? 

Stimmt. Aber auch nicht ganz ohne Aufwand. Die Mühe hat sich gelohnt, die Resonanz ist durchweg positiv. Durch das Projekt entsteht eine Dynamik, die ganz wunderbar ist. Man lernt die Stadt und Umgebung kennen; man partizipiert beim Auflesen und Pflücken der Früchte; man wirkt Verschwendung entgegen; man profitiert durch das Obst und ganz nebenbei gerät man in einen Plausch mit den anderen Sammler:innen. Es fördert Zusammenleben und Gemeinschaft. 

 

"Beim Gestalten setzen wir uns mit einer Aufgabe auseinander und versuchen funktional sowie ästhetisch die gestellten Fragen zu beantworten."




Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen an gute Gestaltung im kommunalen Bereich? 

Die verschiedenen Themengebiete, Schwerpunkte und die Tiefe der Informationen. Nicht zu vergessen die Übermittlung der Inhalte. Zum Beispiel Kocher nah dran: Im Zuge der Erstellung der Fischaufstiegsanlage und der ökologischen Verbesserungen im und am Kocher beabsichtigen wir als Stadt, der Bevölkerung bewusstseinsbildende Massnahmen anzubieten. Hierfür ist ein übergeordnetes Erscheinungsbild und ein roter Faden für das Gesamtkonzept notwendig. Zudem gilt es die Inhalte und insbesondere das Fachwissen verständlich für unsere Bürger:innen zusammenzufassen. Gemeinsam mit papa tom sind wir auf einem guten Weg, das Wissen zu bündeln und mit einer reduzierten Gestaltung zu veranschaulichen. 

In unserer Zusammenarbeit ging es auch immer um Lebensqualität. Inwieweit können Architektur und Design dazu beitragen, nachhaltig das Zusammenleben der Bürger:innen zu beeinflussen? 

Ja, es ist schön, dass wir als Stadt die Möglichkeit haben, Angebote schaffen zu können, die der Lebensqualität zuträglich sind. Es ist essenziell zu gestalten, egal ob in der Architektur, durch Design oder die Kommunikation selbst. Denn beim Gestalten setzen wir uns mit einer Aufgabe auseinander und versuchen funktional sowie ästhetisch die gestellten Fragen zu beantworten. In der Hoffnung, dass die Lösung einer Aufgabe unseren Teil zur Gemeinschaft beiträgt. 

Wie erleben Sie die Arbeit mit papa tom? 

Es handelt sich um eine Zusammenarbeit. papa tom setzt die gemeinsamen Ideen kreativ im Zuge eines souveränen Projektmanagements um. Am Ende können wir uns sicher sein, ein gutes und abgestimmtes Konzept zu erhalten. 

Was möchten Sie der Stadt und ihren Bürger:innen geben? 

Eine Stadt lebt vom Miteinander. Ich freue mich, mit jedem Zuckerlprojekt, wie z. B. den Stadtfrüchten, das Miteinander zu fördern. 

Bildquelle: https://de-de.facebook.com/schwaebischhall/

"Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen mit der Stadt identifizieren und sich wohlfühlen."

Welchen Effekt haben die Projekte Stadtfrüchte, Aktivpark und Kocher nah dran? 

Im Zuge der drei Projekte haben wir eine andere Form der sonst üblichen Kommunikation mit unseren Bürger:innen gewählt. Die Projekte stellen ein Angebot dar. Wir haben durchweg Lob für den Aktivpark, die Stadtfrüchte und Kocher nah dran erhalten. Übliche Begleiterscheinungen im öffentlichen Raum, wie z. B. Vandalismus ist bei den Stadtfrüchten und Kocher nah dran bis jetzt ausgeblieben. 

Was bedeutet es für Sie, einen lebenswerten Stadtraum zu schaffen – konkret für die Stadt Schwäbisch Hall? 

Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen mit der Stadt identifizieren und sich wohlfühlen. Bei der Schaffung von Stadtraum gilt es, neben der baulichen und funktionalen Lösung, eine emotionale und soziale Ebene bei den Bürger:innen anzusprechen. 

papa tom steht für interdisziplinäre Kollaboration. Für den Austausch von Erfahrungen und Know-how mit anderen. Als Studio wollen wir Menschen zusammenbringen. Und mit Menschen zusammenkommen. Dafür fordern und fördern wir das Miteinander. Mit unserem Netzwerk und mit unseren Auftraggeber:innen. Wir sind neugierig darauf, was andere tun. Und machen uns selbst für andere sicht- und spürbar. So ist dieses Gespräch der Anfang einer Serie an Interviews, Einblicken und Gedanken. Wir nehmen Euch mit auf unsere Reise. Wie das Ziel aussieht, wissen wir noch nicht – aber wir kennen die Richtung.

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